Es war im vergangenen Sommer. Meine Familie, damals natürlich noch ohne mich, machte einen Kurzurlaub in Damp an der Ostsee. Und diesem Umstand habe ich es zu verdanken, dass ich in die Familie kommen durfte. Und das war so:
Meine Familie hatte mit ihren damals noch 5 Jahre alten Zwillingstöchtern einen Strandtag eingeplant. Sommer, Sonne, Strand und Meer. Doch nur in der Sonne liegen, in der Ostsee schwimmen, wurde den Kindern bald zu langweilig und da traf es sich gut, dass in diese Zeit auch besonderes Kinderprogramm am Damper Strand fiel, der Kindertag.
Meine Familie marschierte los, dem bunten Spektakel am so genannten Aktionsstrand entgegen. Die Kinder waren begeistert von den Angeboten. Es wurde allerhand ausprobiert, mitgemacht und zugeschaut. Doch einer der Stände, die es dort gab, hatte die Kinder am meisten begeistert und zwar der Stand mit den Wunschballons.
Schon eine ganze Weile stand meine kleine Felicitas davor und sah zu, wie an diesem Stand gearbeitet wurde. Es gab Männer, die die Ballons mit einem Gas füllten, damit sie auch in den Himmel steigen konnten. Und es gab andere Mitarbeiter, die den Kindern einen Zettel aushändigten, auf dem sie ihren Namen, ihre Anschrift und auch ihren Wunsch notieren konnten. Nun hatte unsere Felicitas natürlich das Problem, noch nicht mehr schreiben zu können als ihren Vornamen. Daher musste sie ihre Eltern bitten, ihren größten, sehnlichsten Wunsch zu Papier zu bringen. Denn zeichnen wollte sie auch nicht, weil es bei einem Wunschballon auf jeden Fall korrekt zugehen musste. Da konnte man nicht aus Versehen eine Zeichnung haben, die am Ende falsch interpretiert werden könnte. Schon gar nicht bei dem Wunsch von Felicitas. Nicht auszudenken, wenn ihr Bild nicht richtig gedeutet worden wäre.... Sie hatte Angst, dann vielleicht statt eines Hundes (nämlich mir) ein Pferd oder viel schlimmer noch, eine Ziege zu bekommen. Mit Kinderzeichnungen ist das ja manchmal so eine Sache. Oder vielmehr, die Deutung dessen, was Erwachsene daraus machen. Felicitas hatte da so ihre Erfahrungen sammeln können.
So stand Felicitas dann mit meinem Frauchen an dem Stand und hauchte ihr ihren sehnlichsten Wunsch ins Ohr: Einen Hund, aber einen richtigen. Mit großen braunen Augen sah Felicitas mein Frauchen an und diesem wurde ganz warm ums Herz. Sie konnte die Sehnsucht sehen in den Augen ihrer Tochter und sie fand sie nicht nur im Blick ihres Kindes, sondern auch in ihrem eigenen Herzen. Denn in der Familie hatte es bis vor einigen Jahren immer einen Hund gegeben, Charlie, meinen Vorgänger, auch ein schwarzer Hovawartmischling wie ich (allerdings ohne den Anteil des Berner Sennenhundes, aber das sei ihm verziehen). Doch nachdem Charlie über die Regenbogenbrücke in den Hundehimmel hatte gehen müssen, war die Familie noch nicht wieder bereit gewesen, einen neuen Hund aufzunehmen. Der Schmerz saß tief und man fürchtete sich vor einem erneuten Verlust. Doch als nun die kleine Felicitas diesen, ihren sehnlichsten, geheimen Wunsch äußerste, keimte auch in den restlichen Familienmitgliedern dieser Wunsch wieder auf und das Thema Hund wurde wieder aktuell.
Wie dem auch war, Felicitas knotete ihren Zettel mit ihrem Wunsch an ihren sonniggelben Wunschballon und schon konnte dieser in den Himmel fliegen. Und wer weiß, vielleicht würde ja ihr Wunsch auch erfüllt werden?
Als der Urlaub an der herrlichen Ostsee zu ende war, lief Felicitas den ganzen restlichen Sommer tag täglich zum Briefkasten. Sie hoffte, auf Antwort auf ihren Wunschballon. Sie erwartete einen Brief. Zumindest das. Und ganz im Geheimen hoffte sie auf ein Päckchen, das ihr den ersehnten Hund bringen würde. So wurde dieses zu einem festen Bestandteil ihrer Sommerferien und auch noch als der Kindergarten längst wieder begonnen hatte, zog es Felicitas immer noch zum Briefkasten. Die Hoffnung auf ihren Wunschballon lebte weiter.
Daher traute sie dann auch ihren Augen nicht, als ich dann Monate später endlich in die Familie einzog. Mit offenem Mund betrachtete sie mich. Dann brach es aus ihr heraus: MEIN WUNSCHHUND VOM WUNSCHBALLON.
Der Wunschballon hatte sie über all die Wochen nicht losgelassen und dieser Sommertag an der Ostsee wird ihr mit Sicherheit nach lange in Erinnerung bleiben. Der Tag, an dem sie ihren heißesten Wunsch auf eine Karte geschrieben hatte und mit einem Ballon in den Himmel geschickt hatte. Der Wunsch, der ihr dann auch tatsächlich erfüllt wurde. Ein Kindertraum, der Wirklichkeit geworden war.
Felicitas konnte ja nicht ahnen, dass seit dem Tag mein Herrchen und Frauchen lange besprochen hatten, dass es mich nun tatsächlich geben sollte. Dass der erneute Hundetraum wahr gemacht werden sollte. Aber es musste der richtige Hund sein. ICH musste es sein.
Es musste der Hund werden, bei dem alles stimmte, bei dem Chemie zwischen Hund und Mensch einfach stimmig war. Ich hatte dieses Glück, dass es bei uns so war. Und ich weiß auch, dass meine Menschen es so sehen. Doch sprechen wir lieber von Magie, denn es ist etwas magisches, wenn Lebewesen aufeinander treffen und wissen, sie sind für einander bestimmt. Das ist nicht nur zwischen Menschen so, sondern auch genauso zwischen Mensch und Tier. Ich bin nun Felicitas Wunschhund und ich sonne mich in der Liebe der ganzen Familie. Und irgendwie bin ich diesem gelben Luftballon von der Damper Strandpromenade verflixt dankbar, dass er den größten Wunsch eines Kindes offenbart hat und mich wieder zu einem Hund mit Familienanschluss gemacht hat. Und ein klein wenig danke ich auch meinem Vorgänger Charlie, der dem Rasseanteil Hovawart bei meiner Familie so ein gutes Ansehen geschenkt hat, dass für sie nur wieder ein Hovawart oder Mischung daraus in Frage kam. Manchmal ist eben alles schicksalhaft und aus einer traumhaften Sommergeschichte wurde für mich ein wahres Wintermärchen. Ein happy End für einen Tierheimhund, den einst keiner mehr haben wollte...